Klinische Psychologie und Psychotherapie

Was sind die Bedingungen und Prozesse, die zu psychischen Störungen und Probleme führen und um diese wirksam zu behandeln? Diese Fragen sind zentral und handlungsleitend für unsere Forschung und Lehre sowie unser Vorgehen in Psychotherapie und Weiterbildung. Inhaltlich lassen sich verschiedene Themen und methodische Ansätze unterscheiden, welche im Folgenden kurz dargestellt werden sollen.

Psychotherapie- und Placebo

Die Psychotherapie und das Placebo sind beides psychologische Interventionen, welche interessanterweise nicht nur sehr ähnliche Wirkungen haben, sondern auch auf sehr ähnlichen Mechanismen beruhen. Wir interessieren uns deswegen  für die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser beiden Interventionen und den theoretischen, praktischen und ethischen Implikationen dieser besonderen Beziehung. Wir sind aber auch davon überzeugt , die Psychotherapie und das Placebo auch für sich stehen und untersuchen deren Bedingungen, Effekte und Mechanismen in verschiedenen Settings und an verschiedenen Populationen.

Klinische Kinder- und Jugendpsychologie

Unsere Forschung fokussiert im Bereich der Kinder- und Jugendpsychologie auf die Diagnostik, Klassifikation, Epidemiologie und Behandlung von Kindern und Jugendlichen die an psychischen, physischen und emotionalen Störungen sowie Störungen des Verhaltens leiden. Unsere aktuellen Studien beschäftigen sich mit der Epidemiologie und Behandlung psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter, der besseren diagnostischen Klassifikation, aus grossen Datensets neue Hypothesen und Assoziationen zur Entstehung psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter zu generieren und darauf, Langzeitverläufe für Kinder und Jugendlichen mit chronischen Störungen und Beschwerden, zum Beispiel Depression und medizinisch unerklärte Schmerzen, vorherzusagen. Dabei interessieren uns jeweils sowohl Faktoren der Anlage wie auch der Umwelt, mit einem speziellen Fokus auf die individuelle und intrafamiliäre Emotionsregulation.

Meta-Analysen und big data

Die Quantität an Informationen, die in der medizinischen und psychologischen Forschung generiert wird, ist auch für erfahrene Forschende überwältigend. Laufend werden neue Studien publiziert, was es für Klinikerinnen und Kliniker fast unmöglich macht, auf dem neusten Stand zu bleiben - sogar innerhalb ihres Spezialgebiets. Meta-Analysen bieten eine Möglichkeit, die Resultate vergleichbarer Studien kritisch zu evaluieren und statistisch zu kombinieren, um die Informationsflut zu ordnen. Neben klinischen Studien verdoppelt sich die Menge an maschinen-generierten Daten alle zwei Jahre, was die Lagerung, Verwertung und Einordnung dieser Daten zu einer grossen Herausforderung macht. In Kollaboration mit der Harvard Medical School führt unser Team zur Zeit Studien durch, die Informationen aus verschiedenen Quellen nutzen, darunter Informationen zu klinischen Symptomen, zum Genotyp, zu kognitiven Abklärung familiärer Dynamik, Umwelteinflüssen, digitaler Phänotypisierung und kulturellem Hintergrund. Daten, die für psychische Erkrankungen relevant sind, werden vermehrt in unstrukturierter Form erhoben, was bedeutet, dass sie nicht einfach in strukturierten Tabellen geordnet werden können. Viele dieser Daten liegen in der Form von Facebook- und Twitterbeiträgen, Bildern und Videos,  Wearables, Email, SMS und aufgezeichneten Therapiesitzungen vor. Unser Team benützt neuartige Analysemethoden aus den Gebieten des Natural Language Processing, des Machine Learnings und der künstlichen Intelligenz um rasch und verlässlich Muster zu erkennen und replizierbare Modelle zu kreieren.