Erfahrungsbericht Theresa Tondorf M Sc

Theresa Tondorf M Sc

Theresa Tondorf M Sc

Theresa Tondort ist Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Psychosomatik/Medizinische Kommunikation des Universitätsspitals Basel

Warum ich die Postgraduale Weiterbildung in personzentrierter Psychotherapie nach Carl Rogers gewählt habe

Der personzentrierte Ansatz nach Carl Rogers kombiniert Menschlichkeit mit Weiterentwicklung. Aus diesen zwei Gründen habe ich die Weiterbildung in personzentrierter Psychotherapie begonnen. Im Verlauf des Masterstudiums lernte ich die humanistischen Therapien und deren zugrundeliegendes Menschenbild kennen und merkte, dass der Ansatz meiner persönlichen Haltung entspricht. Als ich mich während meiner Masterarbeit mit den allgemeinen Wirkfaktoren der Psychotherapie auseinandersetzte, die im personenzentrierten Ansatz stark berücksichtigt werden, erkannte ich deren gewichtigen Anteil am Gelingen einer Psychotherapie. Diese wissenschaftliche Erkenntnis wollte ich auch in meine praktische psychotherapeutische Arbeit übernehmen. Ausserdem gefiel mir der Aspekt, dass eine Psychotherapieweiterbildung Wert legt auf die Weiterentwicklung ihrer Psychotherapeuten, anstatt sie nur mit Wissen zu versorgen.

Was man in der Weiterbildung lernt (und was nicht)

In den ersten zwei Jahren ist man in einer konstanten, kleinen Gruppe unterwegs und wird von zwei Ausbildnern begleitet. Dabei lernt man sich selber aber auch die anderen Teilnehmer der Gruppe gut kennen. Diese Kontinuität schafft eine förderliche Umgebung, in der man sich mit seiner eigenen therapeutischen Haltung – das Arbeitsinstrument jedes personzentrierten Therapeuten – auseinander setzen und diese mit Hilfe von Diskussionsrunden, Rollenspielen und Tonbandaufnahmen weiter entwickeln kann. Generell lernt man in dieser Weiterbildung weniger das objektiv Messbare als vielmehr das menschliche Ermessen kennen. Im Gegensatz zu anderen Therapierichtungen ist der personzentrierte Ansatz nicht hoch strukturiert und überfüllt mit Wissen und Können. Man sucht vergeblich Konzepte, wie man bestimmte Störungsbilder behandelt, oder Anleitungen, wie man Manual getreu vorgeht.

Was es im psychotherapeutischen Alltag bringt

Auch wenn man sich am Anfang im psychotherapeutischen Alltag aus Überforderung und Hilflosigkeit und dem Wunsch nach Kontrollierbarkeit vermeintlich einfache therapeutische Techniken wünscht, so merkt man schnell, dass eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung der Kern aller Veränderungsbereitschaft darstellt. Meine Erfahrung ist, wie Carl Rogers dies 1981 in „Der neue Mensch“ formulierte, dass Menschen von jemandem wirklich gehört werden wollen ohne bewertet oder geformt zu werden. Als Psychotherapeut jemanden wirklich zu hören, bedeutet, ihm in einer echten, wertschätzenden und empathischen Haltung zu begegnen. Wenn dies gelingt, besteht die Möglichkeit, dass sich Klienten wahrnehmen, entfalten und schliesslich sich selber sein können. Diesen Prozess zu beobachten, zu begleiten und mittels Empathie, Wertschätzung und Authentizität lernen zu fördern ist ein Grund unter vielen, warum ich diese Psychotherapieweiterbildung all jenen angehenden Psychotherapeuten empfehle, die sich mit dieser Haltung identifizieren können.

Erfahrungsbericht: Andrea Gambon M Sc

Andrea Gambon ist Psychotherapeutin in einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Gemeinschaftspraxis in Solothurn.

Warum habe ich diese Ausbildung gewählt?

Ich habe diese Ausbildung gewählt, weil ich sie als ideale Grundlage für mein therapeutisches Selbstbild betrachtet habe, auf der ich aufbauen kann. Die Ansicht, dass jeder Mensch das in ihm trägt, was für ihn gut ist und die Therapeuten Menschen in seelischer Not in ihrem Entwicklungsprozess begleiten und ihnen nicht vorschreiben, was sie zu tun haben, entspricht meinem Menschenbild sehr. Tatsächlich ist es das Menschenbild, das mich überzeugt hat. Wir fokussieren fest auf bedingungslose positive Wertschätzung, Empathie und Kongruenz bzw. Echtheit, was unsere Grundlagen und auch „Methoden“ sind. Natürlich sperre ich mich nicht anderen Methoden und Schulen gegenüber, die sehr gute Ergänzungen zu der dort vermittelten Basis für meinen therapeutischen Alltag bringen können. In erster Linie möchte ich meinen Klienten aber selbst als Mensch begegnen, was in dieser Ausbildung stark gefördert wird.

Was lernt man dabei?

Bei uns war es so, dass wir zu Beginn vor allem uns selbst kennengelernt haben, dies in Form von Gruppenselbsterfahrung. Dort haben wir über mehrere tagelange Seminare die Grundlagen des Personzentrierten Ansatzes an uns selbst erfahren und uns darauf basierend besser kennenlernen und auch weiterentwickeln können. Wir lernen, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, sie zu verstehen und sie auf ihrem Werdegang zu begleiten. Wir üben, eine therapeutische Haltung einzunehmen und unsere Gespräche nicht durch persönliche Vorlieben oder Vorerfahrungen in für unsere Klienten ungute Richtungen zu leiten. Empathie, Wertschätzung etc. sind Stichworte, die die Ausbildung prägen. Natürlich lernen wir die theoretischen Grundlagen der PCA und auch viel über Rogers selbst, dennoch ist unsere Weiterbildung sehr praxisorientiert und wir arbeiten viel mit und an uns selbst. Wir diskutieren und philosophieren auch oft intensiv über die Konzepte, die uns nicht immer vollkommen stimmig oder gelegentlich auch zu kurz gegriffen erscheinen. Dabei dürfen wir natürlich auch unsere eigenen Meinungen entwickeln und vertreten, die nicht zwingend immer „PCA-konform“ sind.

Supervision und Selbsterfahrung gehören selbstredend auch dazu und es tut immer wieder gut, sich mit „Rogerianern“ auszutauschen und sich in seiner Vorgehensweise bestärkt zu fühlen, da in Kliniken doch überwiegend verhaltensorientiert gearbeitet wird und gelegentlich Missverständnisse aufkommen. Das ist auch etwas, worüber wir uns immer wieder austauschen: Das heutige Gesundheitswesen, Terminologien und Vorgehensweisen in Kliniken und Praxen, in denen wir unser Vokabular gelegentlich anpassen müssen, um verstanden zu werden.

Was bringt es mir?

Es bringt mir, meine Freude an der Zusammenarbeit mit Menschen zu behalten, mich darauf zu freuen, gemeinsam mit ihnen schwere Wege zu gehen, mich über Fortschritte zu freuen und dabei auch mich selbst zu bleiben. Ich habe mich durch diese Weiterbildung professionell und persönlich weiterentwickelt. Was ich in meinem klinisch-therapeutischen Alltag immer wieder bemerke und was mich in meiner Vorgehensweise und der Wahl der Schule bestätigt, sind die Rückmeldungen meiner Patienten, die sich verstanden und wertgeschätzt fühlen, Vertrauen fassen und sich weiterentwickeln. Die sich getrauen, in dunkle Bereiche vorzudringen, aber auch mit mir lachen können. Ein berührendes Erlebnis war für mich, von einer psychisch seit vielen Jahren schwer kranken Person ein aufrichtiges „Danke, Sie waren sehr menschlich, ich habe mich ernst genommen und verstanden gefühlt“ zum Abschied mitgeteilt zu bekommen. Die Arbeit bringt mit unendlich viele bereichernde Begegnungen und Weiterentwicklung auf Klienten- und Begleiterseite, die ich unter anderem auch der Wahl meiner Weiterbildung zuschreibe.

Erfahrungsbericht Prof. Dr. Jens Gaab

Prof. Dr. Jens Gaab, Universität Basel

Prof. Dr. Jens Gaab leitet die Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie sowie das Zentrums für Psychotherapie an der Fakultät für Psychologie der Universität Basel.

Wie ich auf den personzentrierten Ansatz gekommen bin

In meinem Studium und auch in meiner eigenen Weiterbildung zum Psychotherapeut standen die Methoden und Techniken voll im Vordergrund – alles anderem, wie die Beziehung, die Person des Patienten und auch meine eigene Person als Psychotherapeut, waren allenfalls nice to have, but no must. Gleichzeitig wurde mir schon sehr früh klar, dass die Psychotherapie vor allem ein sehr persönlicher Prozess ist, dem ich mich als Psychotherapeut nicht verschliessen kann und auch nicht verschliessen sollte. Mir sassen (und sitzen!) vielschichtige, komplexe, ja persönliche Personen gegenüber und jede Reduktion dieser Personen auf eine Therapie, ein Modell oder eine Methode ist nicht mehr als eben das: eine Reduktion. Damit ich aber dieser mit gegenübersitzenden Person gerecht werden kann – das heisst, dass sie sich selbst besser versteht, mit sich und anderen selbst besser umgeht, damit sie die Entscheidungen trifft, die zu und für sie passen, damit ich sie verstehen kann, damit sie sich sicher und verstanden fühlt – braucht es vor allem eines: eine Beziehung zwischen Klient und mir, die genau das zulässt und ermöglicht.

Diese persönlich-klinische Erkenntnis verlief parallel zu den zunehmenden Befunden der Psychotherapieforschung, dass nämlich die Art der Psychotherapie und damit auch der Technik und der Methode fast nichts mit dem Ergebnis der Psychotherapie zu tun hat (siehe hier die Videos mit Prof. Dr. Bruce Wampold), sondern das die therapeutische Beziehung die notwendige und ausreichende Voraussetzung für eine wirksame Therapie ist. Und wem hier etwas klingelt: Ja, damit bestätigt die aktuelle Psychotherapieforschung eindrücklich das sehr frühe Credo von Carl Rogers (hier ein frühes Video).

Mit diesen Erkenntnissen stand ich natürlich bald vor der Frage, wie man das im klinischen Alltag und in der konkreten Psychotherapie umsetzt. Hier hat mir die humanistische Perspektive auf die Psychotherapie nicht nur die für mich beste Erklärung für meine eigenen Erfahrungen mit Klienten sowie mein Verständnis der Psychotherapieforschung geliefert, sondern auch das Fundament für mein klinisch-psychotherapeutisches Handeln geschaffen: Meine Aufgabe besteht darin, die Bedingungen in der Psychotherapie so zu gewährleisten und sichern, dass der Klient in der Lage ist, sich besser zu verstehen und zu wertschätzen. Dazu brauche ich keine Methoden, sondern eine Haltung der bedingungslosen Wertschätzung, des Interesses für die Erfahrungen des Gegenübers und meiner grösstmöglichen Echtheit im Psychotherapieprozess. Das klingt zwar einfach, ist aber tatsächlich sehr herausfordernd und das Ziel, sich so gegenüber den Klienten zu verhalten, dass diese wichtige Veränderung machen können, fordert mich immer wieder neu heraus. Aber bei aller Herausforderung: So ist jede Psychotherapie ungemein spannend und ich habe am Ende des Tages dann auch wirklich das Gefühl, dem Gegenüber gerecht geworden zu sein und ihm geholfen zu haben.

Warum ich den Master in Advanced Studies in Personzentrierter Psychotherapie anbiete

Ich beschäftige mich seit nun über 20 Jahren mit psychischen Störungen und deren Behandlung. Dabei habe ich gelernt, dass es gar nicht mal so schwierig ist, eine Verbesserung zu erzielen – da muss man nur das Placebo und seine grossen und klinisch bedeutsamen Effekte anschauen. Aber nicht alles, was wirkt, ist auch gut. Mein Ziel ist deswegen die "gute Psychotherapie", weil alles was gut ist, auch eine Wirkung hat. Auf der Suche nach einer Psychotherapieweiterbildung, die meinem Erkenntnissen und Ansprächen genügt, bin ich über verschiedene Wege auf die Schweizerische Gesellschaft für den Personzentrierten Ansatz gekommen. Diese bietet seit Jahrzehnten eine sehr sorgfältige und nachhaltige Psychotherapieweiterbildlung an, die – fern von jeder Mode und jedem Trend – direkt und intensiv dort ansetzt, wo das Herz der Psychotherapie schlägt: In der psychotherapeutischen Beziehung zwischen zwei Personen. Diese Psychotherapieweiterbildung kann ich empfehlen und zu dieser Psychotherapieweiterbildung stehe ich, weil mir die Psychotherapie, die Klienten und die Psychotherapeuten wichtig sind.

Erfahrungsbericht Lorena Bartolome M Sc

Lorena Bartolome ist Assistenzpsychologin in der Gynäkologischen Psychosomatik am Universitätsspital Basel

„We think we listen, but very rarely do we listen with real understanding, true empahy. Yet listening, of this very special kind, is one of the most potent forces for change that I know“ – Carl Rogers

Als ich mich für eine postgraduale Weiterbildung entscheiden musste, war ich hin und hergerissen zwischen verschiedenen Psychotherapierichtung. Es war für mich von grosser Wichtigkeit eine Richtung zu wählen, die kongruent war mit meinem persönlichen Menschenbild und Störungsmodell. Im Hinterkopf hatte ich noch die wissenschaftlichen Resultate zu Therapeutenvariablen und Allegianz als wichtiger Wirkfaktor für den Erfolg von Psychotherapie.

Dieser Entscheidungsprozess gestaltete sich jedoch nicht so leicht. Immer wieder liess ich mich vom Gedanken leiten „vor allem am Anfang meiner therapeutischen Arbeit brauche ich Methoden, Sheets, Sicherheit…“ und den Aussagen von Aussenstehenden „es wird nicht einfach eine Anstellung in der Region zu finden mit einer humanistischen Therapierichtung“. 

Wenn ich jetzt zurückschaue, waren diese Bedenken vollkommen unbegründet, momentan arbeite ich als Assistenzpsychologin in der Gynäkologischen Psychosomatik am Universitätsspital Basel und bald werde ich mein psychiatrisches-psychotherapeutisches Jahr in der Psychiatrie Baselland beginnen. Eine Weiterbildung zur Personzentrierte Psychotherapeutin und ein realer Arbeitskontext sind also sehr gut zu vereinbaren.

Das Fundament meiner Arbeit: Die echte und reale Beziehung. Während der pca-Ausbildung lernt man mit den Elementen (Empathie, Kongruenz und bedingungslose positive Beachtung) zu arbeiten, aufgrund dessen Psychotherapie überhaupt wirksam ist. Denn Psychotherapie wirkt, weil Beziehung wirkt. Man muss den Mut haben sich selbst als Werkzeug einzusetzen, sich in die Beziehung einzulassen und in den Entwicklungsprozess zu vertrauen. Der Ansatz ist Verändern durch Verstehen. So ist es für mich die wertvollste Rückmeldung, wenn Patienten sagen: „Ich fühle mich von Ihnen voll und ganz verstanden“.