Curriculum

Das didaktische Vorgehen beruht auf selbstbestimmtem Lernen und der intrinsischen Motivation der Studiengangteilnehmer*innen. In Übereinstimmung mit dem übergreifenden prozessbasierten Modell menschlichen Verhaltens werden die Studiengangteilnehmer*innen während der Ausbildung aktiv an der Gruppengestaltung teilnehmen. Dabei ist ein vertrauensvolles, von Wertschätzung geprägtes Arbeitsklima von zentraler Bedeutung. Lernbedürfnisse und Lernziele werden nicht nur vorgegeben, sondern auch in einem gemeinsamen Prozess erarbeitet und fortlaufend in verschiedenster Form evaluiert und transformiert. Der erfahrungsbezogene Lernprozess ist praxisorientiert, wird kontinuierlich begleitet, reflektiert und supervidiert. 

Die Vermittlung der Inhalte geschieht auf verschiedensten Ebenen und in verschiedenen Modalitäten (z.B. Lehrgespräche, Gruppendiskussionen, Übungen mit Live-Supervision, Rollenspiele im Rahmen von Seminaren bzw. Workshops, Fallsupervision in Kleingruppen). Die Unterrichtssprache ist hauptsächlich Deutsch, wobei einige Veranstaltungen auf Englisch durchgeführt werden. Der Weiterbildungsstudiengang Master of Advanced Studies in Prozessbasierter Psychotherapie findet hauptsächlich in Form von eineinhalb- bis zweitägigen Workshops statt. Die Supervision in Kleingruppen findet in halb- und ganztägigen Blöcken statt. Die Einzelsupervision und Einzelselbsterfahrung werden individuell organisiert. Das Curriculum dauert in der Regel acht Semester.

Aufbau

Der Weiterbildungsstudiengang findet in einer Gruppe von maximal 25 Studiengangsteilnehmer*innen statt und dauert mindestens 4 Jahre. Der Weiterbildungsstudiengang ist in vier Module gegliedert. Die Elemente Theorie und Praxis sowie Gruppensupervision und Gruppenselbsterfahrung werden vom Weiterbildungsstudiengang organisiert und in allen vier Modulen angeboten, wobei die Module thematisch konzipiert sind und nicht hinsichtlich einer zeitlichen Abfolge. Parallel zu den Modulen werden Falldokumentationen verfasst (min. 2 pro Jahr, max. 4 pro Jahr). Mit den Elementen Einzelselbsterfahrung und Einzelsupervision kann ab Studienstart begonnen werden. Die Studiengangssteilnehmer*innen absolvieren während des Weiterbildungsstudeingangs 500 Stunden eigene psychotherapeutische Tätigkeit sowie eine zweijährige klinische Praxis. Mit der psychotherapeutischen Tätigkeit und der zweijährigen klinischen Praxis kann ab Beginn des Weiterbildungsstudiengangs begonnen werden.

Modul I Basis der prozessbasierten Psychotherapie (9 Workshops à 1.5 bis 2 Tage): Modul I beinhaltet die Vermittlung des theoretischen und konzeptionellen Hintergrunds der prozessbasierten Psychotherapie sowie der wissenschaftlichen Grundlagen, welche für die therapeutische Haltung und Vorgehensweise zentral sind. Studiengangteilnehmer*innen lernen, wie sie für ihre Klient*innen eine effektive therapeutische Veränderung (Variation und Selektion) erreichen können, die sich in grössere gewohnheitsmässige Muster einbauen lässt und zur Situation der Klient*innen passt (Retention und konzeptionelle Anpassung). Die Bedeutung, Aufbau und Gestaltung der Therapiebeziehung erhält in diesem kontextuellen Verständnis von psychischem Erleben und Verhalten eine zentrale Bedeutung, der in diesem Teil des Weiterbildungsstudiengangs besonders berücksichtigt wird. Zudem werden die notwendigen Fähigkeiten, um eine Therapie zu beginnen, fortzuführen und zu beenden, sowie ethische Fragen, und zentrale berufsbezogenes Wissen, wie z.B. der Umgang mit digitalen Möglichkeiten, Versicherungsfragen und Administration, vermittelt. 

Modul II Störungsübergreifende prozessbasierte therapeutische Verfahren (12 Workshops à 1.5 Tage): In Modul II werden anhand basaler und zentraler Prozesse menschlichen Erlebens und Verhaltens wirksame Strategien und Interventionen zu deren Beeinflussung vermittelt, die störungs- und problemübergreifend anwendbar sind. Es werden dabei Gemeinsamkeiten, Unterschiede und mögliche Adaptierungen hinsichtlich der Anwendung auf verschiedene Störungsbilder verdeutlicht. Dabei werden die Prozessrelevanten Interventionen aus der kognitiven Verhaltenstherapie, Acceptance and Committment Therapy, Achtsamkeitsbasierten Therapie, Compassion-Focused Therapy u.a. vermittelt und eingeübt. Beim Vermitteln der Lerninhalte und dem Aufbau therapeutischer Kompetenzen wird im Besonderen auf Nachhaltigkeit, klinischen Bezug und das konkrete Erlernen von Fertigkeiten geachtet. Die Studiengangteilnehmer*innen werden dazu befähigt, die Prozesse und Interventionen im klinischen und nicht-klinischen Kontexten flexibel anzuwenden. Die Veranstaltungen in diesem Teil beinhalten überwiegend praktische Anteile wie Übungen und Trainingseinheiten.

Modul III Spezielle Zielgruppen und Kontexte (16 Workshops à 1.5 Tage): Dieses Modul ergänzt und vertieft die in den Modulen I und II erarbeitete Wissen und Fertigkeiten. Die Studiengangteilnehmer*innen lernen spezifische Anwendungskontexte nach verschiedenen Populationen kennen: Psychotherapie über die Lebensspanne (Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Alter) und in verschiedenen Settings (Einzel, Paar, Familie, Gruppe) sowie mit verschiedenen Minoritäten (Migration, LGBTQIA*). Dabei werden auch somatische Einflussfaktoren (z.B. Suchtmittel, Essen, Bewegung) und die Bedeutung kritischer Lebensereignisse (z.B. Adaptationsprozesse nach schwerer Krankheit, Verlust, Trennung, Tod, unerfüllter Kinderwunsch, Arbeitsverlust u.a.) auf die psychische Gesundheit einbezogen. Diese Inhalte werden in einer Kombination von Workshops, Trainingseinheiten und Supervisionsveranstaltungen vermittelt.

Modul IV Crosstalk – Psychotherapie in Forschung und Praxis (8 Workshops à 1 Tag). Die Crosstalks bestehen aus acht eintägigen Workshops, welche regelmässig und parallel zu den Modulen stattfinden. Hier werden Themen der Forschung und klinischen Praxis angeboten und in der Form von Vorträgen und Gruppenarbeiten vermittelt. Die Crosstalks werden von der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, der Abteilung Klinische Psychologie und Interventionswissenschaft und dem Zentrum für Psychotherapie organisiert.